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Etienne Cabos als Zahnarzt in Halle (1794-1798)

Eine wissenschaftliche Studie von Thomas Nickol über die zahnärztliche Versorgung in Halle dokumentiert Etienne Cabos als einen von zehn Zahnärzten, die zwischen 1780 und 1810 in der Stadt ihre Dienste anboten.


Quellenlage

Die Informationen stammen aus Anzeigen in den Wöchentlichen Hallischen Anzeigen, der lokalen Zeitung von Halle. Cabos inserierte dort im März 1794 und im Januar 1798.

Feld Wert
Name Cabos
Berufsbezeichnung Zahnarzt (Zahnarzt)
Wohnort Berlin
Besuche in Halle März 1794, Januar 1798

Angebotene Behandlungen

Laut der Studie bot Cabos ein breites Spektrum zahnärztlicher Leistungen an:

Behandlung Angeboten
Zahnextraktion Ja
Zahnprothesen Ja
Füllungen (plombiren) Ja
Zahnreinigung / Skorbutbehandlung Ja
Mundwasser Ja

Die Anzeigen im Original

Anzeige vom 27. März 1794

Die erste Anzeige erschien in den Wöchentlichen Hallischen Anzeigen am 27. März 1794:

Über Zahnprothesen:

"Uebrigens setzt er auch Zähne ein, ohne den geringsten Schmerz, welche so fest an dem Gaumen halten, als die besten natürlichen Zähne."

Er setzt auch Zähne ein, ohne den geringsten Schmerz, welche so fest am Gaumen halten wie die besten natürlichen Zähne.

Über sein Mundwasser:

"[Er] verfertiget auch ein köstliches Wasser wider den Skorbut und alle nur erdenklichen Unreinigkeiten der Zähne... das herrlichste zusammenziehende Wasser..., durch welches das Zahnfleisch gesäubert, rein gemachet und zum neuen Wachsthume gebracht wird; auch hat es die Eigenschaft, den üblen Geruch aus dem Munde gänzlich zu vertreiben."

Er fertigt auch ein köstliches Wasser gegen Skorbut und alle erdenklichen Unreinheiten der Zähne an... dieses herrliche zusammenziehende Wasser, durch welches das Zahnfleisch gesäubert, gereinigt und zum neuen Wachstum gebracht wird; es hat auch die Eigenschaft, den üblen Geruch aus dem Munde gänzlich zu vertreiben.

Über sein Zahnschmerzmittel:

"ein sehr heilbares Wasser für alle möglichen Zahnschmerzen, welches sogleich die grausamen Schmerzen vertreibt."

Ein sehr heilsames Wasser für alle möglichen Zahnschmerzen, welches sogleich die grausamen Schmerzen vertreibt.

Anzeige vom 4. Januar 1798

In der zweiten Anzeige betonte Cabos die "Natürlichkeit" seiner Zahnprothesen:

"[Cabos] macht hierdurch bekannt; daß er neue Zähne, wie sie die Natur giebt, einsetze."

Cabos macht hierdurch bekannt, dass er neue Zähne einsetzt, wie sie die Natur gibt.


Wissenschaftliche Einordnung

Thomas Nickol ordnet die Anzeigen in den zeitgenössischen Kontext ein:

Zahnprothesen

Die Betonung der "Natürlichkeit" war Ende der 1790er Jahre ein wichtiges Verkaufsargument. Nickol bemerkt:

"That 'naturalness' was an important requirement for dental prostheses at the end of the 1790s can also be discerned from the advertisements of Cabos. Whilst in 1794 he only undertook to insert teeth painlessly and as 'firmly as natural ones', in 1798 he promised teeth 'such as Nature intended'."

Die verwendeten Zähne für Prothesen stammten oft aus Nilpferd-Elfenbein oder von menschlichen Leichen, was solche Werbeversprechen für die Leser ambivalent erscheinen ließ.

Füllungen

Cabos verwendete die Technik des plombiren (Plombieren). Nickol erklärt, dass dies nicht unbedingt die Verwendung von Blei bedeutete, da Zinnfolie ein billiges und einfach zu handhabendes Material war.

Reisender Zahnarzt

Cabos gehörte zu den reisenden Zahnärzten, die Halle besuchten. Die meisten kamen von außerhalb Preußens, mit Heimatorten oft über 100 km entfernt. Berlin (ca. 150 km) war sein Wohnort. Nur drei Behandler besuchten Halle mehr als einmal - Cabos war einer von ihnen (zweimal).


Bedeutung für die Familiengeschichte

Diese Quelle bestätigt, dass Etienne Cabos nach seiner Ankunft in Berlin (1792) tatsächlich als Zahnarzt (Dentiste) tätig war - wie es auch im Taufeintrag seines Sohnes Charles Emmanuel 1793 vermerkt ist.

Die Anzeigen zeigen:

  1. Professionelle Tätigkeit: Cabos war nicht nur dem Namen nach "Dentiste", sondern bot ein vollständiges Spektrum zahnärztlicher Behandlungen an
  2. Reisende Praxis: Er reiste von Berlin nach Halle, um dort Patienten zu behandeln
  3. Geschäftssinn: Er inserierte in der lokalen Presse und vermarktete seine eigenen Produkte (Mundwasser, Zahnschmerzmittel)
  4. Kontinuität: Die Besuche 1794 und 1798 zeigen eine mehrjährige Tätigkeit

Quellen

Primärquelle

  • Wöchentliche Hallische Anzeigen, 27. März 1794, S. 100
  • Wöchentliche Hallische Anzeigen, 4. Januar 1798, S. 8

Sekundärliteratur

  • Nickol, Thomas: "The Availability of Dental Care in Halle: A Local Study." In: Dental Practice in Europe at the End of the Eighteenth Century (Konferenzband). Die Studie basiert auf Archivmaterial des Landeshauptarchivs Magdeburg und des Stadtarchivs Halle.

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